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Sophie von Hellermann

David Ostrowski

Andreas Schulze

3 Zimmer, Küche, Bad

September 5, 2019 - December 7, 2019

3 bedrooms, kitchen, bathroom. Schulze, von Hellermann, Ostrowski as a painters flat share at Braunsfelder: a get-together of three generations of Rhineland painters. The word ‘generation’ is usually deployed to highlight difference, and at first it does seem hard to discern any common ground between these artists.

 

There is a shared aesthetic rigor, of course, but the Schulze-von Hellermann-Ostrowski matrix works more through the distance between its individual points – between idiosyncratic salon painting, playfully poetic figuration, and abstract syntax. There is one thing that links these positions, however, and that is their affirmation of a theoretical perforation of the painted canvas, an approach many of us would now consider self-evidently valid. But you do still sometimes meet older Greenbergians with subscriptions to Kunstforum (“But that’s not in the picture!”) who remind you that this was not always so. In practice, this means all three indulge in extensive site- and context-specific references so that (their) painting is always drawn out of the absolute realm it would otherwise inhabit. This takes place almost incidentally, with a casualness that belies such major theoretical restructuring – another thing the three have in common. Schulze achieves this via painting spaces precisely tailored to the space in which they are presented, usually including something extra, in this case the painted floor. Von Hellermann also uses architectural interventions – such as murals – to merge her painting with the space, an osmosis reinforced by producing much of the work in and for the specific space. David Ostrowski, too, divides exhibition spaces into new floorplans with his pictures; for him, hanging always involves architecture.

 

Ostrowski, Schulze and von Hellermann paint, one might say, for eyes that sit on top of bodies (which is the norm, of course, but often ignored). Their works address the restlessness, the urge for physical movement in the flesh beneath the eyes, understanding painting as architecture, which sounds more casual that it actually is. Because it makes a difference whether one merely positions oneself with regard to surfaces, or if one grants them a physicality beyond all pictorial space. After all, space is always the first order of context, to which the pictures relate, with more following all the time. Beyond the more programmatic aspects, recreating the warm, vis-à-vis encounter with the works that takes place during their production (where they are a genuine dialogical presence) in altered form in the exhibition introduces an intimate, at times even sentimental tone. It is this cosiness of the relationship with the viewer that the show’s title underlines: it may be untidy, but when three people share an apartment, each does what they consider to be the right thing. They live separate lives, but in close proximity, with the door to common ground always open.

 

Moritz Scheper

 

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3 Zimmer, Küche, Bad. Schulze, von Hellermann, Ostrowski als Maler-WG bei Braunsfelder. Ein Get-Together von drei Generationen rheinischer Malerei, wobei das Wort ‚Generation’ zumeist in Anschlag gebracht wird, wenn es gilt Unterschiede zu markieren. Und tatsächlich scheint es erst einmal schwierig, Gemeinsamkeiten zwischen diesen Positionen auszumachen.

 

Klar gibt es die, Rigorismus in ästhetischen Fragen sicherlich, und doch funktioniert die Matrix Schulze-von Hellermann-Ostrowski eher über die Entfernungen zwischen den einzelnen Punkten. Hier der idiosynkratische Salonmaler, daneben von Hellermanns lyrisch-verspielte Figuration, dort die abstrakte Syntax Ostrowskis. Doch es gibt etwas, das in jedem Falle eine Verbindung zwischen ihnen schlägt, und zwar verhalten sich alle drei bejahend zu der theoretischen Perforation des Tafelbildes, die vielen von uns heute als vollkommen selbstverständlich gültige Praxis vorkommt. Hin und wieder trifft man aber doch auf ältere Greenbergianer mit Kunstforum-Abo („Aber das ist nicht im Bild!“), die einen daran erinnern, dass dem nicht immer so gewesen ist. Das bedeutet konkret, alle drei ergehen sich in fortgeschrittenen Raum- und Kontextbezügen, womit ihre Malerei/die Malerei immer auch ein Stück weit aus dem Raum des Absoluten gezogen wird, in dem sie ansonsten ihre Runden dreht. Das passiert fast nebenbei, mit einer Lässigkeit, die solche Großumbauten theoretischer Gebäude gar nicht vermuten lässt, was vielleicht eine weitere Verbindung der drei ist. Bei Schulze über seine Malereiräume, die einen genauen Zuschnitt auf den Raum der Präsentation leisten und meistens ein Surplus beinhalten, wie in diesem Fall den bemalten Fußboden. Von Hellermann lässt ihre Malerei ebenfalls über architektonische Eingriffe – und seien es Wandmalereien – mit dem Raum zusammenfallen. Überdies versucht sie, eine Art osmotischen Austausch zwischen Raum und Malerei herzustellen, indem sie große Teile der Arbeiten vor Ort, für den spezifischen Ort produziert. Und auch David Ostrowski zerlegt mit seinen Bildern Ausstellungsräume zu neuen Grundrissen. Hängen bedeutet bei ihm immer auch Architektur.

 

Ostrowski, Schulze und von Hellermann malen, so lässt sich das vielleicht am besten zusammenbinden, für Augen, die auf Körpern aufsitzen (was  ja die Regel ist, aber trotzdem gerne ausgeblendet bleibt). Eben weil sie die Unruhe, den körperlichen Bewegungsdrang im Fleisch unterhalb der Augen in ihren Arbeiten adressieren und Malerei auch als Architektur verstehen, was salopper klingt, als es tatsächlich ist. Denn es macht ja einen Unterschied, ob man sich lediglich zu Flächen positioniert, oder eine Körperlichkeit jenseits aller Bildräume zugesteht. Schließlich ist Raum immer die erste Ordnung von Kontext, zu dem sich die Bilder verhalten, weitere folgen permanent. Neben jeder Programmatik steckt da irgendwo auch eine intime, in seltenen Momenten auch sentimentale Note drin, das warme vis-à-vis mit den Arbeiten in der Produktion, wo sie einen tatsächlichen Gegenüber ausmachen, in der Präsentation in anderer Form und Tönung (wieder) herzustellen. Sicherlich ist es diese coziness im Verhältnis zum Betrachter, welche der Ausstellungstitel unterstreicht: Kann unaufgeräumt sein, aber bei drei Leuten in einer Wohnung macht eben jeder, was er für richtig hält. Es bleibt halt ein Nebeneinander, aber ein sehr nahes Nebeneinander, das sich ein Miteinander immer offenhält.

 

Moritz Scheper